Wenn die Sonne untergeht, zeigt sich Breslau von seiner schönsten Seite. Besonders auf der Dominsel entsteht eine einzigartige Atmosphäre: Die historischen Kirchen und Gassen werden in warmes Licht getaucht, und zwar nicht per Knopfdruck, sondern auf ganz traditionelle Weise.
Jeden Abend macht sich der Gaslaternenanzünder auf den Weg und zündet die historischen Gaslaternen von Hand an. Diese außergewöhnliche Tradition wurde 1996 wiederbelebt und begeistert bis heute Einheimische und Besucher aus aller Welt. Wer zur richtigen Zeit auf der Dominsel unterwegs ist, kann dieses besondere Schauspiel mit eigenen Augen erleben.
Jeden Tag, etwa 30 Minuten vor Sonnenuntergang (und am Morgen 30 Minuten vor Sonnenaufgang zum Loeschen der Laternen), macht er sich auf den Weg. Ganz in Schwarz gekleidet, mit einem Zylinder auf dem Kopf, erinnert er ein wenig an Batman. Auf seinem Rundgang zündet er 98 Gaslaternen an.
Diese Tradition stammt aus dem 19. Jahrhundert und wurde 1996 wiederbelebt. Der Laternenanzünder legt täglich rund 3,5 Kilometer zurück, und das Anzünden aller Laternen dauert etwas mehr als eine Stunde. Je nach Jahreszeit variiert die Zahl der Leuchtstunden, insgesamt brennen die Gaslaternen rund 3.900 Stunden pro Jahr.
Das Anzünden der 98 Laternen ist allerdings alles andere als einfach. Es erfordert viel Fingerspitzengefühl. Beim Anzünden und Loeschen muss der Laternenanzünder äußerst vorsichtig sein, damit die empfindlichen Glühstrümpfe nicht beschädigt werden. Eine unachtsame Bewegung genügt, und der Glühstrumpf kann reißen oder sogar der Glasaufsatz der Laterne kann beschädigt werden.
Die ersten Gaslaternen wurden in Breslau im Jahr 1847 installiert. Die allererste wurde vor dem damaligen Restaurant „Zur Goldenen Gans“ in der heutigen ul. Ofiar Oświęcimskich aufgestellt. Der Besitzer des Lokals ließ sie in Anwesenheit des Bürgermeisters und der Mitglieder des Magistrats entzünden. Die Vorführung beeindruckte die Stadtverwaltung so sehr, dass sie beschloss, Gaslaternen nach und nach auch in den Straßen Breslaus einzuführen. Bereits 1912 gab es in der Stadt rund 12.000 Gaslaternen.




