Wenn Sie Breslau besuchen, sollten Sie sich einen Spaziergang über die Dominsel auf keinen Fall entgehen lassen. Hier erwartet Sie eine ganz besondere Atmosphäre: historische Gassen, zahlreiche Kirchen, romantische Gaslaternen, die jeden Abend noch von Hand vom Gaslaternenanzünder entzündet werden, sowie der beeindruckende Breslauer Dom. In diesem Artikel erzählen wir Ihnen von den Sehenswürdigkeiten, die Sie auf keinen Fall verpassen sollten!
Die Dominsel ist der älteste Teil Breslaus und gilt als die Wiege der Stadt. Ihre Geschichte reicht bis in das Jahr 1000 zurück. Damals gründete Kaiser Otto III. während des Gnesener Kongresses (Akt von Gnesen) gemeinsam mit dem polnischen Herzog Bolesław Chrobry das Bistum Breslau. Gleichzeitig entstanden die Bistümer Krakau und Kolberg sowie das Erzbistum Gnesen, dem die neu gegründeten Bistümer unterstellt wurden.
Breslauer Dom
Der Breslauer Dom ist seit Jahrhunderten eines der Wahrzeichen der Stadt und gilt bis heute als der Stolz der Breslauer. Nicht ohne Grund wird er auch die „Mutter der schlesischen Kirchen“ genannt.
Die heutige Kathedrale ist bereits die vierte Kirche, die an dieser Stelle errichtet wurde. Sie entstand im 13. und 14. Jahrhundert im gotischen Stil. Auf den ersten Blick scheint der Dom nur zwei Türme zu besitzen – tatsächlich sind es jedoch vier. Neben den beiden markanten Haupttürmen befinden sich auf der Ostseite zwei kleinere Türme. Einer der Haupttürme ist für Besucher zugänglich und bietet einen beeindruckenden Blick über Breslau.
Die Kirche ist eine dreischiffige Basilika mit Querschiff und Presbyterium. Das Hauptschiff wird von einem Kreuzrippengewölbe überspannt, während die Seitenschiffe Kreuzgratgewölbe besitzen. Im 17. Jahrhundert wurden zahlreiche barocke Kapellen angebaut, sodass der Dom heute insgesamt 21 Kapellen beherbergt.
Während der Kämpfe um die Festung Breslau im Jahr 1945 wurde die Kathedrale zu etwa 70 % zerstört. Der Wiederaufbau dauerte bis 1951. Die charakteristischen Turmhelme, die heute das Stadtbild prägen, wurden jedoch erst in den 1990er Jahren rekonstruiert.
Erzbischöfliches Palais
Das orangefarbene Gebäude birgt eine außergewöhnliche Geschichte. Hier wurde einst ein wahrer Schatz versteckt, rund 80 Millionen Złoty (etwa 20 Millionen Euro).
Nach der Verhängung des Kriegsrechts im Jahr 1981 drohte das Vermögen der oppositionellen Gewerkschaft Solidarność von den kommunistischen Behörden beschlagnahmt zu werden. In einer spektakulären Geheimaktion, 10 Tage vor dem Aufbruch des Kriegsrechts, gelang es Mitgliedern der Bewegung, das Geld aus der Nationalen Polnischen Bank in Sicherheit zu bringen.
Versteckt wurde es im Erzbischöflichen Palais, wo Erzbischof Henryk Gulbinowicz das Vermögen aufbewahrte. Dank seines Mutes und seiner Unterstützung konnte Solidarność ihre Tätigkeit trotz des Kriegsrechts fortsetzen und den Widerstand gegen das kommunistische Regime weiterführen.
Die Kreuzkirche und die St.-Bartholomäus-Kirche – zwei Kirchen unter einem Dach
Das Prinzip „2 in 1“ ist uns heute bestens bekannt: Shampoos, Duschgels oder andere Kombiprodukte gehören zu unserem Alltag. Dasselbe Konzept kannte auch das Mittelalter – allerdings in einer ganz anderen Form. In diesem Fall geht es nicht um Produkte, sondern um Kirchen.
Die außergewöhnliche Anlage auf der Dominsel in Breslau besteht tatsächlich aus zwei übereinanderliegenden Gotteshäusern: der St.-Bartholomäus-Kirche im unteren Bereich und der Kreuzkirche, die über eine Treppe erreichbar ist und sich darüber befindet. Die gesamte Kirche wurde auf dem Grundriss eines griechischen Kreuzes errichtet, wodurch sie eine für Breslau einzigartige architektonische Form erhielt.
Die St.-Bartholomäus-Kirche blickt auf eine wechselvolle Geschichte zurück. Im Laufe der Jahrhunderte wurde sie mehrfach geplündert, als Lagerraum genutzt und während verschiedener Kriege diente sie der Bevölkerung sogar als Schutzraum. Zeitweise wurde der Kirchenraum auch zweckentfremdet und als Stall genutzt.
Doch warum entschied man sich überhaupt dafür, zwei Kirchen an einem Ort zu errichten? Eine Antwort darauf liefert eine alte Legende über Herzog Heinrich IV. Probus und den Breslauer Bischof Thomas II. Zaremba.
Der Legende nach verliebte sich Heinrich IV. Probus in Mathilde, die Tochter des Markgrafen von Brandenburg. Das Problem: Der Herzog war bereits verheiratet und hatte seine Ehefrau zu Verwandten geschickt. Bischof Thomas II. verurteilte dieses Verhalten und belegte den Herzog mit dem Kirchenbann. Daraufhin ließ Probus den Bischof aus Breslau vertreiben, zerstörte seine Burg in Neiße und soll sogar seine Pferde mit Getreide aus den kirchlichen Vorratskammern gefüttert haben.
Nachdem es schließlich zur Versöhnung zwischen den beiden kam, beschlossen Herzog und Bischof gemeinsam, eine Kirche zu stiften. Während der Bauarbeiten soll man jedoch eine Wurzel gefunden haben, die die Form eines Kreuzes hatte. Dies wurde als göttliches Zeichen gedeutet – und so entstand zusätzlich zur bereits geplanten Kirche eine zweite Kirche, die dem Heiligen Kreuz geweiht wurde.
Der tatsächliche Grund für den Bau zweier Kirchen war jedoch weniger geheimnisvoll und deutlich menschlicher: Es ging vor allem um Macht und den Einfluss zwischen weltlicher und kirchlicher Herrschaft.
Eine besondere Verbindung zur Kreuzkirche hatte auch Nikolaus Kopernikus. Er war 35 Jahre lang Kanoniker des Kollegiatstifts zum Heiligen Kreuz in Breslau – obwohl er die Stadt vermutlich nie persönlich besuchte. Man könnte also sagen: Auch die „Fernarbeit“ hat eine lange Tradition.
Gaslaternen
Auf der Dominsel finden wir auch heute noch etwas, das an vergangene Zeiten erinnert und bis heute funktioniert: die historischen Gaslaternen. Die ersten Laternen wurden hier im Jahr 1847 installiert. Nach einer längeren Pause kehrte Breslau 1996 zu dieser besonderen Tradition zurück.
Der Laternenanzünder kümmert sich täglich um insgesamt 98 Gaslaternen. Seine Aufgabe beginnt jeweils 30 Minuten vor Sonnenaufgang und 30 Minuten vor Sonnenuntergang. Mit seiner langen Stange entzündet und löscht er jede einzelne Laterne von Hand und hält damit eine fast vergessene Tradition am Leben.
Die Gaslaternen sind heute nicht nur eine praktische Lichtquelle, sondern auch ein einzigartiges Symbol der Dominsel und eine besondere Attraktion für Besuch.
Das Denkmal des heiligen Johannes Nepomuk
Vor der Kreuzkirche und der St.-Bartholomäus-Kirche befindet sich die höchste Statue des heiligen Johannes Nepomuk weltweit. Allein in Niederschlesien gibt es mehrere hundert Darstellungen dieses Heiligen, der als einer der beliebtesten Schutzpatrone Mitteleuropas gilt.
Mit Johannes Nepomuk ist eine bekannte Legende verbunden. Er war der Beichtvater der Königin Sophie, der Ehefrau von König Wenzel IV. von Luxemburg. Der König verdächtigte seine Frau der Untreue und verlangte von Nepomuk, das Beichtgeheimnis zu brechen. Der Priester weigerte sich jedoch, den Inhalt der Beichte preiszugeben. Dafür wurde er grausam gefoltert und schließlich von der Karlsbrücke in Prag in die Moldau geworfen.
Der Überlieferung nach erschienen an der Stelle seines Todes fünf goldene Sterne über dem Wasser. Deshalb wird Johannes Nepomuk häufig mit einem Sternenkranz dargestellt. Auch an diesem Denkmal finden sich Sterne am Sockel der Statue.
Das Denkmal ist ein typisches Beispiel der gegenreformatorischen Ikonographie. Es betont die Verehrung eines Heiligen, der für die Wahrung des Beichtgeheimnisses das Martyrium erlitt – ein Sakrament, das von den Protestanten nicht anerkannt wurde.
Der heilige Johannes Nepomuk gilt als Schutzpatron der Brücken, der Schiffer und Flößer sowie als Beschützer vor Hochwasser.
Die St.-Ägidius-Kirche
Die St.-Ägidius-Kirche ist die älteste Kirche auf der Dominsel. Sie wurde um das Jahr 1220 im romanischen Stil erbaut. Besonders charakteristisch sind der Rundbogenfries an der Außenfassade sowie das hervorragend erhaltene romanische Portal.
Heute dient die Kirche als Filialkirche der Dompfarrei. Trotz mehrerer Brände und zahlreicher Zerstörungen im Laufe ihrer Geschichte blieb sie als einzige Kirche Breslaus nahezu vollständig in ihrer romanischen Gestalt erhalten und zählt deshalb zu den bedeutendsten romanischen Baudenkmälern der Stadt.
Erzdiözesanmuseum
Das Erzdiözesanmuseum in Breslau entstand als Folge der Säkularisation kirchlicher Güter zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Damals wurden zahlreiche Klöster aufgelöst und ihr Besitz vom preußischen Staat übernommen. Viele liturgische Gegenstände und Kunstwerke wurden auf Dachböden oder in Kellern gelagert, manche sogar verbrannt, damit „ihre religiöse Bedeutung nicht entweiht wurde“.
Die Idee zur Gründung des Museums entstand im Jahr 1898. Bereits fünf Jahre später wurde die erste Ausstellung mit den gesammelten Kunstwerken eröffnet. Heute umfasst die Sammlung rund 6.000 Exponate aus verschiedenen Epochen – von der Antike über das Mittelalter und die Renaissance.
Zu den wertvollsten Kunstwerken des Museums zählt die „Madonna unter den Tannen“ von Lucas Cranach dem Älteren. Das Gemälde galt seit dem Zweiten Weltkrieg als verschollen und wurde erst nach vielen Jahren in der Schweiz wiederentdeckt. Im Jahr 2012 kehrte es schließlich nach Breslau zurück.
Das Erzdiözesanmuseum ist durch das spätromanische Klöstertor (Brama Kluskowa) mit der St.-Ägidius-Kirche verbunden. Das Tor zählt zu den ältesten erhaltenen Bauwerken Breslaus und bildet einen charakteristischen Zugang zwischen Kirche und Museum.





