Die Pfarrkirche St. Elisabeth verdeutlicht die Ambitionen der Breslauer. Im Mittelalter war sie eine der wichtigsten Kirchen Breslaus. Hier beteten vor allem Patrizier, also wohlhabende und einflussreiche Bürger. Jeder, der in der Stadt eine Bedeutung hatte, ging entweder in diese Pfarrkirche oder in die Kirche St. Maria Magdalena. In und an der Kirche befinden sich insgesamt über 200 Epitaphe. Sie zeigen die Bedeutsamkeit dieses Gottesdienstes.
Vor der Kirche lag früher ein Friedhof, zu dem fünf Tore führten. Heute ist nur eines erhalten und befindet sich zwischen zwei Altaristenhäusern. Dort lebten die Menschen, die sich um die Altäre der St. Elisabethkirche kümmerten. Heute kennt man sie unter den Namen „Jaś und Małgosia“ („Hänsel und Gretel“). Am Tor befindet sich die Inschrift mors janua vitae – „Der Tod ist das Tor zum Leben“. Dieser Tor war einer von fünf Eingängen auf einen Friedhof, der diese Kirche umgab.
Helmsturz
Das 16. Jahrhundert war eine Zeit großer Veränderungen. Durch die Reformation von Martin Luther wurden immer mehr Menschen Protestanten. Auch die St.-Elisabeth-Kirche wurde im Jahr 1525 protestantisch.
Nicht alle waren damit einverstanden. Es entstand sogar eine Legende: Die früheren Besitzer der Kirche – die Kreuzherren mit dem Roten Stern – sollen die Kirche bei einem Würfelspiel an den Protestanten Heinrich Rybisch verloren haben. Vier Jahre später passierte etwas Dramatisches. Der Helm vom Kirchturm fiel plötzlich herunter. Zum Glück wurde kein Mensch verletzt. Nur eine schwarze Katze starb.
Die Menschen erklärten dieses Ereignis unterschiedlich. Katholiken meinten, es sei eine Strafe Gottes, weil die Kirche protestantisch geworden war. Protestanten sahen es anders: Für sie war es ein Zeichen von Gottes Gnade, weil niemand ums Leben kam. Manche glaubten sogar, Engel hätten den Helm aufgehalten und so die Menschen geschützt.
Bis heute kann man an der Turmseite ein Epitaph sehen, das an dieses Ereignis erinnert.
Drei Brände
In der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg kann es zu mehreren schweren Unglücken. Die Kirche stand dreimal in Flammen. Zum ersten Mal geschah es im Jahr 1960, als ein Blitz in die Turmspitze einschlug. Die anschließende Renovierung dauerte zwei Jahre.
Die Erleichterung dauerte ein paar Jahre, aber nicht besonders lange. Die Einwohner von Breslau erlebten erneut Schock im Jahre 1975, als die Turmkuppel in Flammen aufging. Auf knarzenden Gerüsten erklommen zwei Feuerwehrleute die Höhe von mehreren Dutzend Metern und beseitigten die schwerwiegendste Gefahr. Die Verluste waren riesengross – 18,5 Mio.
Die jedoch größere Tragödie passierte ein Jahr später. Man hat sogar die Folgen des früheren Brandes nicht vollständig gelöscht und die Kirche wurde erneut in Flammen gesetzt. Es brannten Hauptschiff mit der Orgel und dazu Nebenschiff. Der Dach wurde komplet zerstört. Über 100 Feuerwehrmänner nahmen an der Aktion teil und die Verluste ertragen 30 Mio. Zloty und die Renovierung kostete 800 Mio. zloty. Man weiß es nicht, warum die Kirche in 70er Jahren brannte.
Johannes Paul II
Im Jahr 1997 kam Papst Johannes Paul II. nach Breslau. Er besuchte die Stadt anlässlich des Eucharistischen Weltkongresses und hielt sich auch an anderen Orten auf. Aus diesem Grund wurde der Wiederaufbau der Kirche beschleunigt. Der Papst besuchte die Kirche persönlich, und sechs Jahre später erhielt sie den Rang einer Basilica minor.
An den Papst erinnert heute ein Glasfenster in der Kirche. Darauf ist der Papst zu sehen, darunter kleine Lichter. Sie symbolisieren die Kerzen, die am Tag seines Todes angezündet wurden.
Die Orgeln
In der Kirche befinden sich die Orgeln, die im Jahr 2022 rekonstruiert wurden. Die ursprünglichen Orgeln stammten aus dem 18. Jahrhundert und wurden von Michael Engler entworfen. Infolge des Brandes im Jahr 1976 wurden sie fast vollständig zerstört. Erhalten blieben lediglich teilweise verbrannte Figuren und Ornamente.
Der Wiederaufbau dauerte drei Jahre und sieben Monate. Viele Elemente wurden aus Holz gefertigt und nach den historischen Techniken rekonstruiert, sodass die Orgeln wieder genauso klingen wie im Jahr 1761. Die Orgeln sind 17 Meter hoch und 10 Meter breit und verfügen über 3468 Pfeifen.

