Im Jahr 2026 liegt ein Trend in den sozialen Medien voll im Zeitgeist: Man blickt zehn Jahre zurück und erinnert sich daran, was damals passiert ist. Auch wir möchten uns daran beteiligen und auf das Jahr 2016 zurückschauen. Das war eines der bedeutendsten Jahre in der jüngeren Geschichte Breslaus.
Damals wurde Breslau gemeinsam mit der spanischen Stadt San San Sebastián zur Europäischen Kulturhauptstadt ernannt. Das ganze Jahr über fanden Hunderte von Konzerten, Ausstellungen und kulturellen Veranstaltungen statt. Gleichzeitig entstanden neue Kulturinstitutionen, die bis heute zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt gehören.
Was ist die Europäische Kulturhauptstadt?
Die Idee der Europäischen Kulturhauptstadt entstand 1985. Die erste Stadt, die diesen Titel trug, war Athen. Anfangs wurde die Auszeichnung jedes Jahr nur an eine Stadt vergeben. Heute erhalten sie in der Regel zwei Städte, alle drei Jahre sogar drei.
Im jahr 2000 wurden ausnahmsweise neun Städte ausgewählt, darunter auch Krakau. Die nächste polnische Kulturhauptstadt wird Lublin sein, das den Titel im Jahr 2029 tragen wird.
Am besten zitiere ich die damalige Kulturministerin Hanna Wróblewska, die diese Initiative erklärt:
„Die Europäische Kulturhauptstadt ist nicht nur ein Prestigeprojekt. Sie bietet vor allem die große Chance, eine starke internationale Marke aufzubauen, Tausende von Touristen und Investoren anzuziehen und gleichzeitig die lokale Identität sowie das Gemeinschaftsgefühl zu stärken. Städte, die diesen Titel erhalten, verändern sich für immer.“ (Quelle: https://www.gov.pl/web/kultura/lublin-europejska-stolica-kultury-2029)
Während ihres Kulturhauptstadtjahres präsentieren die ausgezeichneten Städte nicht nur ihr eigenes kulturelles Leben, sondern auch das ihrer Region und ihres Landes. Darüber hinaus erhalten sie Fördermittel der Europäischen Union, die in die Entwicklung der kulturellen Infrastruktur und des Kulturangebots investiert werden können.
Was entstand in Breslau?
In Breslau wurde ein Gebäude erbaut und zwei ausgezeichnet. Sie haben ihre Eignung geändert und dienen den Einwohnern und Touristen bis heute.
Nationales Musikforum (Narodowe Forum Muzyki)
Bereits das Gebäude selbst ist ein architektonischer Blickfang. Seine Form erinnert an die Konturen eines Streichinstruments. Noch im Jahr 2009 arbeiteten auf dem Baugelände Archäologen, und nur wenige Jahre Später erklanger die ersten Konzerte.
Das Nationale Musikforum wurde am 4. September 2015 eröffnet, also einige Monate vor dem Beginn des Kulturhauptstadtjahres. Das Gebäude verfügt über mehrere Konzertsäle, die jeweils für unterschliedliche Musikrichtungen konzipiert wurden. Eine besondere technische Lösung ist das sog. „Box-in-Box“-System, das verhindert, dass sich Veranstaltungen in verschiedenen Sälen gegenseitig akustisch stören.
Vier-Kuppel-Pavillon
Der Vier-Kuppel-Pavillon entstand im Jahr 1913 anlässlich der Jahrhundertausstellung. Ursprünglich war lediglich die Jahrhunderthalle geplant, doch schon bald stellte sich heraus, dass zusätzlicher Ausstellungsraum benötigt wurde. Nach den Plänen des Architekten Hans Poelzig entstand deshalb innerhalb von nur acht Monaten ein moderner Pavillon, in dem große Kunstausstellungen und verschiedene Veranstaltungen stattfanden.
Von den 1950er Jahren bis Ende der 1980er Jahre gehörte das Gebäude zur Spielfilmproduktionsgesellschaft in Breslau und diente als Filmhalle sowie als Lager.
Nach einer umfassenden Renovierung wurde der Pavillon im Jahr 2016 erneut eröffnet – heute befindet sich hier das Museum für Gegenwartskunst, eine Außenstelle des Nationalmuseums Breslau. Besucher können dort eine der bedeutendsten Sammlungen polnischer Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts besichtigen.
Barbara
Heute verbindet man „Barbara“ vor allem mit Kultur. Früher befand sich hier jedoch eine beliebte Selbstbedienungsbar. In den 1960er Jahren trafen sich dort Hippies, später wurde der Ort zu einem wichtigen Treffpunkt der Orangen Alternative (Pomarańczowa Alternatywa). Von hier aus starteten viele ihrer berühmten Happenings, bei denen die heute weltbekannten Breslauer Zwerge erstmals im Stadtbild auftauchten (mehr Infos im Artikel: https://wrocmania.pl/de/sehenswuerdigkeiten/breslauer-zwerge/).
Im Jahr 2016 wurde die ehemalige Bar in ein Informations- und Begegnungszentrum der Europäischen Kulturhauptstadt umgewandelt. Hier fanden Workshops für Kinder und Erwachsene, Ausstellungen, Diskussionen und zahlreiche Veranstaltungen für die Einwohner statt. Für die jüngsten Besucher wurde außerdem ein besonderer Spiel- und Kreativraum mit dem Namen „Kryjówka“ eingerichtet.
Breslau – auch UNESCO-Welthauptstadt des Buches
Nur wenige wissen, dass Breslau im selben Jahr außerdem den Titel UNESCO-Welthauptstadt des Buches erhielt. Diese Auszeichnung wird an Städte vergeben, die ein besonders überzeugendes Programm zur Förderung des Lesens und der Literatur entwickeln.
Im Laufe des Jahres fanden Hunderte von Autorenlesungen, Diskussionen, Workshops und literarischen Veranstaltungen statt. Die Amtszeit Breslaus endete am 23. April 2017. Aus diesem Anlass wurde erstmals die Welthymne des Buches aufgeführt – das Gedicht Włosek poety von Tadeusz Różewicz, vertont von Jan Kanty Pawluśkiewicz.
Die wichtigsten Veranstaltungen der Europäischen Kulturhauptstadt 2016
Den Auftakt bildete das spektakuläre Eröffnungsevent „Przebudzenie“ (Das Erwachen). Vier große Umzüge zogen aus verschiedenen Stadtteilen in Richtung Marktplatz. Angeführt wurden sie von den symbolischen Geistern Breslaus – dem Geist der Religionen, des Wiederaufbaus, der Innovation und der Flut. Mehr als 100.000 Menschen nahmen an diesem außergewöhnlichen Ereignis teil.
Zu den eindrucksvollsten Veranstaltungen gehörte außerdem Flow – eine multimediale Inszenierung auf der Oder, die die Geschichte Breslaus mithilfe von Musik, Licht und Spezialeffekten erzählte.
Zu den weiteren Höhepunkten zählten:
- die Theaterolympiade, an der renommierte Theatergruppen aus aller Welt teilnahmen,
- die European Film Awards, die erstmals in Polen verliehen wurden,
- das Konzert von David Gilmour auf dem Plac Wolności gemeinsam mit Orchester und Chor,
- Singing Europe, ein Konzert mit Tausenden von Chorsängern aus ganz Europa,
- sowie das Opernspektakel „Eine Nacht mit Carmen“ im Breslauer Stadtstadion.
Das Jahr 2016 hat Breslau nachhaltig verändert. Dank der Europäischen Kulturhauptstadt gewann die Stadt nicht nur neue Kulturinstitutionen und internationale Veranstaltungen, sondern festigte auch ihren Ruf als eines der bedeutendsten Kulturzentren Polens und Europas.

